Ein näherer Blick auf die Verringerung des Sturzrisikos: Teil 1

Es ist keine Sturzverhinderung – Hinfallen lässt sich nicht verhindern. Wir können aber das Risiko eines Sturzes verringern.

– Dr. Debbie Rose

 

Rose2

Dr. Debbie Rose war 18 Jahre lang Professorin für Kinesiologie an der California State University in Fullerton. Ihr Fachgebiet ist der Bereich der Motoriksteuerung und ‑lernfähigkeit. Dies umfasst zwei Hauptkategorien: Motoriksteuerung, oder wie unser neurologisches System Bewegungen koordiniert, die zur Ausübung einer motorischen Fertigkeit gebraucht werden; sowie Motorische Lernfähigkeit, den Prozess des Erwerbs oder Wiedererwerbs motorischer Fertigkeiten, die aufgrund einer Verletzung, Krankheit oder fehlenden Nutzung verloren gegangen sind.

Spezieller interessiert sich Dr. Rose für das Verständnis der zugrundeliegenden Systeme und Mechanismen, die zur Haltungskontrolle beitragen, die ein natürlicher Übergang in Balance und Stabilität ist.

Ihre Fähigkeiten haben sie an die Wurzel dessen gebracht, was allgemein als „Sturzprävention“ bei Senioren (65+) bezeichnet wird. Wenn Sie Informationen darüber finden wollen, wie sich die Wahrscheinlichkeit, hinzufallen, bei Senioren senken lässt, landen Sie vermutlich bei CDC-Artikeln mit Details zu Statistiken über die Sturzprävention.

Dr. Rose bemerkt allerdings: „Es ist keine Fallverhinderung – Hinfallen lässt sich nicht verhindern. Wir können aber das Risiko eines Sturzes verringern.“

Die allgemein bekannte Nutzung kommt in Internetsuchanfragen und sogar in CDC-Ratgebern zwar häufiger vor, doch Dr. Rose hat Recht. Die Begrifflichkeiten sind nicht der einzige Aspekt bei der Verringerung des Sturzrisikos, der übersehen wurde – der gesamte Sektor wurde übersehen.

Fall-Prevention-Cycle-vf

Die wachsende Gesellschaftsschicht der Baby-Boomer (52–70) verfügt über das verzichtbarste Einkommen. Trotzdem erhalten sie beträchtlich weniger Aufmerksamkeit als andere Generationen, wenn es um Gesundheitsinitiativen geht. Senioren sehen keinen fairen Anteil an der öffentlichen Diskussion, basierend auf ihrem Anteil an der Bevölkerung. Dr. Rose bemerkt, dass wir immer weniger Geriater haben, denn es ist einfach kein lukrativer oder verführerischer Beruf, was wiederum heißt, dass wir weniger spezialisierte Betreuung für das Segment der 65-Jährigen und darüber hinaus sehen.

Wie verbessern wir die Situation?

Dr. Rose arbeitet an der Instrumentalisierung wichtiger Balance- und Gangart-Bewertungen – eine Voraussetzung für die angemessene Behandlung.

„Einige Bewertungen sind zeitbasiert, erfassen aber nicht den Kern der Bewegungsmuster, die zum Abschluss dieser Bewertungen verwendet werden“, erklärt Dr. Rose.

Dies ist wichtig, denn, so betont sie, Senioren sind nicht alle gleich. Es gibt keine einfache Kategorisierung, die jeden älteren Erwachsenen adäquat behandelt.

Dr. Rose arbeitet mit einer intelligenten Gruppe Menschen zusammen, um Bewertungen der Balance und Gangart besser beziffern zu können. Die neue Richtung besteht in der Entwicklung einer Serie maßgeschneiderter Programme, mit denen ältere Erwachsene durch effektive Intervention wieder mit ihrem ganzen Körper fit werden. Dazu benötigen Einrichtungen geschulte Trainingsexperten, die sich mit der Bewertung von Balance und Gangart auskennen und dann effektive Programme umsetzen, die den individuellen Anforderungen und Zielen jedes älteren Erwachsenen entgegenkommen.

Weshalb tragen einige ältere Erwachsene ein höheres Risiko als andere?

Bei einigen bewirkt die Möglichkeit, dass sie sich eventuell von unabhängigem auf betreutes Wohnen umstellen müssen, dass sie ihre Probleme und Erlebnisse mit dem Hinfallen lieber nicht mitteilen.

Eine der wichtigsten Dynamiken älterer Erwachsenser ist, einfach gesagt: Es sind Menschen. Wir müssen sie also mit Standards für Menschen und nicht mit Zahlen überwachen. Dr. Rose sagt, dass es bei der Suche nach Problemen und Symptomen „nicht um eine chronologische Zahl, sondern eine funktionelle Änderung“ handelt. Sie sind nicht einfach nur in einer bestimmten Altersgruppe. Generalbehandlungen funktionieren nicht bei Erwachsenen, die sich in verschiedenen Lebensphasen befinden, unterschiedliche medizinische Probleme erleben, verschiedene Motivationen, Ängste und Funktionseinschränkungen haben, die sich auf ihre Bewertung auswirken.

Einige ältere Erwachsene neigen nicht dazu, zu glauben, sie seien gefährdet – manchmal leben sie in einer Kultur des Abstreitens und der Angst und neigen dazu, Stürze auf etwas zu schieben, was mit ihnen nichts zu tun hat. Bei einigen bewirkt die Möglichkeit, dass sie sich eventuell von unabhängigem auf betreutes Wohnen umstellen müssen, dass sie ihre Probleme und Erlebnisse mit dem Hinfallen lieber nicht mitteilen.

Sie haben Angst, nicht mehr das tun zu können, was sie gerne tun. Sie möchten sich nicht mehr in vertraute Umfelder bewegen, da sie Angst haben zu fallen. Sie haben Angst, aus der gewohnten Lebensumgebung herausgerissen zu werden. Doch oft haben sie keine Wahl. Bei der Umstellung kommen sie also nicht gesund an – sie kommen schon unwohl in ihrer Seniorengemeinschaft an.